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Situativ führen: Warum es den einen richtigen Führungsstil nicht gibt

Situativ führen: Warum es den einen richtigen Führungsstil nicht gibt

Sicherlich haben auch Sie es als Führungskraft mit Mitarbeitenden zu tun, die Sie viel Zeit kosten. Es scheint, als ließen sie sich nicht führen, würden nicht erledigen, was Sie ihnen an Aufgaben geben, oder verstricken sich in endlose Diskussionen. Ein klassisches Problem in der Führungsarbeit – und oft ein Zeichen dafür, dass es Zeit ist, den richtigen Führungsstil zu finden.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

  • Ich führe halt irgendwie!

  • Führen ist anstrengend und kostet mich so viel Zeit!

  • Meine Mitarbeitenden lassen sich nicht führen!

  • Mein Team macht nicht, was ich will!

  • Meine Mitarbeitenden denken einfach nicht mit!

Autoritär oder kooperativ: die zwei Grundrichtungen

Generell unterscheiden wir zwischen einem autoritären und einem kooperativen Führungsstil. Im autoritären Stil liegt der Entscheidungsfreiraum allein bei der Führungskraft – sie gibt Anweisungen, denen Folge zu leisten ist. Der kooperative Stil ist dagegen von echter Zusammenarbeit geprägt: Aufgaben werden mit Entscheidungsfreiheit und Eigenverantwortung delegiert.

Keiner dieser beiden Stile ist grundsätzlich richtig oder falsch. Die entscheidende Frage ist: Welcher Stil passt zu welchem Mitarbeitenden? Genau das beantwortet das Modell des situativen Führungsstils.

Der Denkfehler: ein Stil für alle

Ein Führungsstil ist nur dann wirksam, wenn er genau zur Motivation und zur Kompetenz des jeweiligen Mitarbeitenden passt. Ein Mitarbeitender mit geringer Kompetenz und schwacher Motivation braucht einen anderen Führungsstil als jemand mit hoher Kompetenz und starker Motivation. Im Coaching bespreche ich mit Führungskräften jeden Mitarbeitenden einzeln und ordnen ihn anhand dieser zwei Dimensionen ein – daraus ergeben sich vier Führungsstile, die ich auch auf meiner Leadership-Toolbox-Karte "Situativ Führen" zusammengefasst habe.

Die 4 situativen Führungsstile

Anweisen (Motivation niedrig – Kompetenz niedrig)

Bei Mitarbeitenden mit geringer Kompetenz und schwacher Motivation bietet sich ein klarer, anweisender Stil an:

  • klare Anweisungen erteilen

  • eindeutige und einfache Aufgaben mit Angaben zur Ausführung und zum Termin anordnen

  • Ergebnisse regelmäßig kontrollieren

  • sofort Feedback zu Ergebnis und Leistung geben

Anleiten (Motivation hoch – Kompetenz niedrig)

Ist die Motivation hoch, die Kompetenz aber noch gering, braucht es einen anleitenden, fördernden Stil:

  • Mitarbeitende um Lösungsvorschläge bitten

  • Ergebnisse und Entscheidungen gemeinsam besprechen

  • die Kompetenz der Mitarbeitenden gezielt fördern

  • unterstützendes Training und Weiterbildungsmaßnahmen anbieten

  • auf Struktur achten, um Orientierung zu geben

  • konstruktives Feedback geben

Partizipieren (Motivation niedrig – Kompetenz hoch)

Bei hoher Kompetenz, aber schwacher Motivation ist ein partizipativer Stil gefragt:

  • um Meinung fragen

  • Mitarbeitenden Raum geben

  • in Entscheidungsvorgänge mit einbeziehen

  • als Vorgesetzter voll hinter der Entscheidung stehen

  • emotionale Unterstützung geben

  • wertschätzendes Feedback zu Kompetenz, Ergebnis und Leistung geben

Delegieren (Motivation hoch – Kompetenz hoch)

Sind sowohl Motivation als auch Kompetenz hoch, ist ein delegierender, beratender Stil der wirksamste:

  • Entscheidungskompetenz übergeben

  • Verantwortung übertragen

  • Gestaltungsfreiraum schaffen

  • beratend und unterstützend zur Seite stehen (z. B. als Coach oder Mentor)

  • Perspektiven für die persönliche Entwicklung aufzeigen

Mein Fazit

Der richtige Führungsstil ist keine feste Eigenschaft, die Sie sich einmal aneignen und dann bei jedem Mitarbeitenden gleich anwenden. Er ist eine bewusste Entscheidung, die Sie für jeden Mitarbeitenden und jede Situation neu treffen – abhängig von dessen Motivation und Kompetenz. Führungskräfte, die situativ führen, erleben intrinsisch motiviertere Mitarbeitende, höhere Leistungsbereitschaft und gewinnen selbst mehr Zeit für strategische Aufgaben.

Praktisches Hilfsmittel für Ihren Alltag

Damit Sie die vier Stile nicht jedes Mal neu herleiten müssen, habe ich sie als Karte "Situativ Führen" in meiner Leadership Toolbox zusammengefasst – mit allen Verhaltensweisen auf einen Blick, griffbereit für das nächste Mitarbeitergespräch.

Ihr nächster Schritt

Sie möchten herausfinden, welcher Führungsstil zu welchem Ihrer Mitarbeitenden passt? In einem individuellen Coaching analysieren wir gemeinsam Ihr Team und entwickeln für jeden Mitarbeitenden den passenden Führungsansatz.

Vereinbaren Sie jetzt Ihr kostenfreies Erstgespräch: +49 176 55054926 oder info@baumgartner-coaching.de

Clemens Baumgartner — DCV-zertifizierter Coach, Leadership- und Team-Coach in München